PERFORMING THE WAR
Kulturelle Dramaturgien globaler Medienkriege

Als Medienereignis ist Krieg das Thema des Berichtens und der Berichterstattung schlechthin (Daniel 2005, Engell 1996, Hickethier 2003). Als letztlich Katastrophisches verspricht Krieg Aktualität im höchsten Maße, die in der Ökonomie der Aufmerksamkeit Garant für technisch-mediale Überführung in Wahrnehmbarkeit bedeutet. Die Form des Mediums und die Tatsache medialer Berichterstattung entscheiden darüber, was ein Ereignis ist und was nicht. Ereignisse ohne medialen Widerhall finden demnach praktisch nicht statt. Berichterstattung als Formgebung des Medienerignis ist Teil der Aufmerksamkeitsökonomie Es ist eine Inszenierung in dem Sinn, als durch Auswahl, Organisation und Strukturierung von Personen und Materialien etwas zur Erscheinung gebracht wird, das seiner Natur nicht gegenständlich zu werden vermag (Iser, 1991). Im Bericht als medialer Auftritt verdeutlicht sich das Moment des Übermittelns (Debray 2000, Krämer 2008) als zentrales Attribut des Medialen. Der Vermittlungsstatus der Berichterstattung verdankt sich dem medial verfassten Zwischenraum, indem in aller explorativen Unschärfe des Medienbegriffs Mittel als technisch-apparatische Voraussetzung, vermittelnde Verbindung bzw. Übersetzer als Kommunikationsprozess und Milieu als Ort der Aushandlung oder als kulturelle Rahmung zusammenfallen (Tholen 2006).
Da sich weder durch Schrift noch durch Bilder vermitteln lässt, was Kriege waren oder sind, ist die Perspektive des Projekts Aussagen zu formulieren, wie Kriege gesehen wurden und gesehen werden und welche Formen des medialen Ausdrucks sie in den ko-evolutionären Prozessen von Massenkrieg und Massenmedien (Baudrillard 1994, Virilio 1989) hervorbringen. Ausgehend vom Medienereignis Krieg ist es die Forschungsperspektive, die Prozesse und Mechanismen zu untersuchen, die zwischen Bild und Ereignis liegen und so Aussagen über kulturelle Dramaturgien zu treffen. Im Mittelpunkt des Projekts steht die exemplarische Untersuchung medialer Präsentationstechniken und -strategien, die als Auseinandersetzungen im Spannungsverhältnis von Global und Lokal entstehen (Kraidy 1999, Robertson 1995).
Im Mittelpunkt des Promotionsprojekts steht die Aufgabe explorativ in einer kulturvergleichenden Analyse differente Muster der Repräsentationsästhetiken, Visualisierungsstrategien und Codierungspraktiken in der Kriegsberichterstattung der Fernsehnachrichten aus interdisziplinärer Perspektive zu untersuchen. Der tatsächlich stattfindende Krieg entzieht sich letztlich der vollständigen Darstellung. Das, was medial aufbereitet gesendet wird, ist der Versuch, das Ereignis des Krieges fassbar zu machen, indem ihm in der medialen Vermitt¬lung Visualisierung, Struktur und Narration gegeben wird. Jeder Versuch, einem Ereignis durch eine Form der Vermittlung nahe zu kommen, erfordert eine Abstraktion, die das Ereignis zum Objekt ästhetischer Bearbeitung macht.
